Handel

Im deutschen Steuerrecht existieren sieben Einkunftsarten. Entgegen der anfänglich verbreiteten Meinung gehören Kryptowährungsgeschäfte jedoch nicht zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Vielmehr handelt es sich um sonstige Einkünfte (§§ 2 Abs. 1 Nr. 7, 22 S. 1 Nr. 2, 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Ebenfalls ist die Einordnung als Fremdwährungsgeschäft zu verneinen. Zwar werden Bitcoin und Co. oft als digitale Währung bezeichnet, bislang ist jedoch keine offizielle Anerkennung als solche erfolgt. Es handelt sich somit nach deutschem Steuerrecht um eine Veräußerung von „anderen Wirtschaftsgütern“.

Pauschal lässt sich daher keine genaue steuerliche Behandlung von Kryptowährungen beschreiben, denn nicht alle Kryptowährungen und Investitionsarten werden steuerlich gleich behandelt.

 

Privater Handel

Der private Handel mit Kryptowährungen fällt steuerrechtlich unter die Bezeichnung des privaten Veräußerungsgeschäftes. Das heißt, dass bei einem Verkauf der Kryptowährung § 23 EStG angewendet wird. Ein privates Veräußerungsgeschäft ist nichts anderes als ein privater Verkauf. Dabei wird nur der Gewinn besteuert. Um diesen zu ermitteln wird von dem Verkaufspreis der Kaufpreis, sowie eventuelle Gebühren abgezogen. Der daraus entstandene Gewinn wird mit dem persönlichen individuellen Steuersatz besteuert.

Dabei ist allerdings auf die Freigrenze in Höhe von 600 € zu achten. Erst wenn diese überschritten wird, wird der volle Gewinn versteuert. Ebenfalls ist darauf zu achten, dass nicht nur der Umtausch in eine staatliche Währung ein einkommensteuerpflichtigen Tatbestand erfüllt, sondern auch der Tausch in eine andere Kryptowährung oder der Kauf von Sachgütern und Dienstleistungen.

Eine Steuerfreiheit tritt auch dann  ein, wenn die sogenannte Spekulationsfrist, welche ein Jahr beträgt, eingehalten wird. Das bedeutet, dass wenn man seine Coins mindestens ein Jahr lang behält, den möglichen Gewinn bei einem Verkauf nicht versteuern muss. Sollte man seine Coins verleihen, das heißt als Einkunftsquelle nutzen, so verlängert sich die Spekulationsfrist (Haltefrist) auf zehn Jahre.

Beispiel:
Herr P. ist Angestellter und handelt seit einigen Jahren hin und wieder mit Kryptowährungen. Er kauft am 30.01.2015 10 Bitcoins zu je 205,51 €. Am 05.05.2016 verkauft Herr P. alle Bitcoins zu je 389,41 €.

Lösung:
Herr P. ist als Privatperson tätig. Dadurch findet § 23 EStG Anwendung. Seine Anschaffungskosten am 30.01.2015 betragen 2.055,10 €. Er verkauft am 05.02.2016 seine Bitcoins für 3.894,10 €.

Sein Gewinn beträgt 3.894,10 € – 2.055,10 € = 1.839 €.

Damit überschreitet Herr P. die Freigrenze von 600 €.  Herr P. behielt seine Bitcoins allerdings über ein Jahr (Spekulationsfrist), wodurch der Gewinn nicht steuerpflichtig ist. Er muss auf den Gewinn von 1.839 € keine Steuern zahlen.

Abwandlung:
Herr P. kauft am 30.01.2015 10 Bitcoins im Wert von 2.055,10 €. Am 12.05.2015 verkauft er alle 10 Bitcoins für 2.170,40 €.

Lösung:
Herr P. behält seine Bitcoins weniger als ein Jahr. Dadurch ist der Gewinn steuerpflichtig. Sein Gewinn beträgt 155,30 €. Dadurch kann Herr P. von der Freigrenze (600 €) Gebrauch machen. Er muss seine 155,30 € nicht versteuern.

Bei einem unentgeltlichen Erwerb, zum Beispiel durch Schenkung oder Erbe, sind die Anschaffungskosten des Vorgängers zu übernehmen.

Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften können auch nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. Eine Verrechnung mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten scheidet aus. Sollten in dem Kalenderjahr, in dem der Verlust entstanden ist, jedoch keine Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften erzielt worden sein, geht der Verlust nicht verloren. Dieser wird mit Gewinnen aus dem unmittelbar vorherigen Kalenderjahr verrechnet. Sollte auch in diesem keine Gewinne vorliegen, so ist ein Verlustvortrag in das nächste Kalenderjahr möglich. Der Verlust wirkt sich dementsprechend erst dann steuerlich aus, wenn entsprechende Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften vorliegen.

Veräußerungsreihenfolge

Dadurch, dass Coins auf sogenannten Wallets angesammelt werden, kann nicht mehr zwischen den einzelnen unterschieden werden. Dies wird dann problematische, wenn die Coins zu verschiedenen Zeitpunkten und zu verschiedenen Kursen gekauft wurden.
Um die Reihnfolge der Verkäufe festzulegen gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

1. Fifo-Methode

Gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 EStG muss die FiFo-Methode (First in first out) für Fremdwährungsgeschäfte gewählt werden. Dies bedeutet, dass die zuerst eingekauften Coins auch die Coins sind, welche als Erstes verkauft werden. Kryptowährungen zählen allerdings nicht zu Fremdwährungen. Ob die Fifo-Methode auf Kryptowährungsgeschäfte angewendet werden darf, ist noch offen.

Beispiel:
Herr H. kauft im September 2016 15 Ethereum zu jeweils 10,46 €. Im November 2016 kauft er 15 Ethereum für jeweils 9,99 € nach. Herr H. verkauft im Oktober 2017 15 Ethereum für insgesamt 3.829,35 €.

Ergebnis:
Herr H. wendet die FiFo-Methode an, wonach er die im September 2016 gekauften Coins zuerst verkauft. Dadurch bleibt der Gewinn (3.672,45 €) steuerfrei, da diese länger als ein Jahr gehalten wurden.

2. Lifo-Methode

Bei der Lifo-Methode (Last in first out) werden die zuletzt gekauften Coins zuerst verkauft. Diese Methode würde besonders bei unterjährigem Handel für den Steuerzahler günstiger ausfallen.

Beispiel:
Herr H. kauft im März 2017 20 Ethereum für 299,80 €. Im Dezember 2017 kauft er schließlich 20 Ethereum für 7.484 € hinzu. Im Februar 2018 verkauft er 20 Ethereum für insgesamt 18.145,40 €.

Ergebnis:
Sowohl die Veräußerung der Ethereum von März 2017, als auch die Ethereum vom Dezember 2017 würden zu einer Steuerpflicht führen. In diesem Fall wäre die LiFo-Methode für Herr H. gegenüber der FiFo-Methode steuerlich günstiger. Dies würde bedeuten, dass Herr H. einen Gewinn von 10.661,40 € (Dezember 2017: 7.484 €) hat. Würde er die FiFo-Methode wählen, so hätte er einen steuerpflichtigen Gewinn von 17.845,60 €.

3. Durchschnittssätze

Als weitere Ermittlungsmethode käme der Durchschnitt in Frage. Bei dieser Methode werden die durchschnittlichen Anschaffungskosten dem Veräußerungserlös gegenübergestellt. Bei der Berechnung können allerdings nur Anschaffungen die innerhalb der Einjahresfrist liegen mit einbezogen werden.

Beispiel:
Frau C. kauft am 30.09.2015 5 Bitcoins zu je 210,30 €. Sie kauft weitere Bitcoins hinzu:
01.10.2015: 2 Stück für je 211,22 €
01.12.2015: 2 Stück für je 357,07 €
01.01.2016: 2 Stück zu je 396,65 €

Am 01.10.2016 verkauft sie 8 Bitcoins zu je 542,53 €.

Ergebnis:
Von den 8 Coins sind 5 Coins steuerfrei. Für die 3 restlichen Coins wird die Durchschnittsmethode angewendet.

Kauf insgesamt: 2 x 211,22 € + 2 x 357,07 € + 2 x 396,65 € = 1.929,88 €
Durchschnittlicher Preis: 1.929,88 € / 6 = 321,65 €
Erlös pro Coin: 542,53 € ./. 321,65 € = 220,88 €
Gewinn: 3 x 220,88 € = 662,64 €

Damit muss Frau C. einen Gewinn von 662,64 € nach der Durchschnittsmethode versteuern.

Zusammenfassend ist zu dieser Problematik zu sagen, dass es kein vorgeschriebenes Ermittlungsverfahren gibt. Hier sollte jedoch eine gewisse Vorsicht an den Tag gelegt werden. Daher sollte eine Ermittlung mit dem Finanzamt im Vorfeld abgestimmt werden.

 

Abgrenzung vom privaten zum gewerblichen Handel

Auch eine Privatperson kann beim Handel mit Kryptowährungen schnell in eine gewerbliche Tätigkeit übergehen. Dabei muss der jeweilige Einzelfall überprüft werden. Ein Kriterium ist dabei die Intensivität und Häufigkeit der vorgenommenen Trades. Ebenfalls kann eine gewerbliche Tätigkeit angenommen werden, wenn die Privatperson im Namen von Dritten Handel betreibt und dabei als professioneller Händler auftritt. Dabei ist wiederum zu unterschieden, ob der Händler eine Art Provision/Gewinnbeteiligung erhält.

Beispiel:
Frau A. kennt sich mit Kryptowährungen bestens aus und hat schon große Erfolge aus dem Handel mit Bitcoins vorzuweisen. Sie konnte ihre Familie davon überzeugen, ebenfalls mit Bitcoins zu handeln. Dabei stellt sie ihren Dienst zur Verfügung und betreibt den Handel. Dabei fordert sie weder eine Verwaltungsgebühr noch eine Gewinnbeteiligung.

Ergebnis:
Frau A.
betreibt den Handel, ohne dabei Einkünfte zu erzielen, das heißt ohne Gewinnerzielungsabsicht. Dadurch kann die Tätigkeit von Frau A. nicht als gewerblich angesehen werden.

Abwandlung:
Frau A.
wird an einem Gewinn mit 15% beteiligt. Außerdem verlangt sie für ihre Dienste eine einmalige Gebühr von 20€.

Ergebnis:
Frau A. ist gewerblich tätig, da sie durch ihren Dienst Gewinne erzielt. Sie betreibt den Handel also mit Gewinnerzielungsabsichten.

Gewerblicher Handel

Der Handel mit Kryptowährungen bei Unternehmen unterliegt dem § 15 EStG als Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Bei der Gewinnermittlung über den Betriebsvermögensvergleich gemäß § 4 Abs. 1 bzw. § 5 Abs. 1 EStG sind die Anschaffungskosten der Kryptowährung in die Bilanz aufzunehmen. Bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG werden die Betriebsausgaben bzw. –einnahmen im Zeitpunkt des Verkaufs berücksichtigt. Anders als beim privaten Verkauf können Verluste aus Kryptowährungsgeschäften mit anderen Einkünften verrechnet werden.

Beispiel 1:
Herr G. betreibt ein Wettbüro, ist also Gewerbetreibender. Er versucht sich außerdem als Händler mit der Kryptowährung Ripple. Seinen Gewinn ermittelt er mithilfe der Einnahme-Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG. Herr G. kauft am 16.09.2017 3.500 Ripple im Gesamtwert von 525 €. Anschließend verkauft er am 20.12.2017 seine 3.500 Ripple für insgesamt 2.170 €.

Lösung:
Herr G. hat am 16.09.2017 eine Betriebsausgabe von 525 €. Seine Einnahmen betragen am 20.12.2017 2.170 €. Der Gewinn beträgt also 1.645 €, welchen er versteuern muss.

Beispiel 2:
Frau H. betreibt ein erfolgreiches Reiseunternehmen und ist dazu verpflichtet ihre Gewinne nach dem Betriebsvermögensvergleich zu ermitteln (§ 4 Abs. 1 EStG). Am 31.12.2015 beträgt das Betriebsvermögen 250.000 €. Frau H. investiert am 23.07.2016 5.929,50 € in Bitcoins und erhält dabei 10 Bitcoins. Am 05.11.2016 verkauft sie alle Bitcoins zu je 631,42 €.

Ergebnis:
Frau H. hat für ihre Bitcoins Anschaffungskosten in Höhe von 5.929,50 €. Sie verkauft die 10 Bitcoins für insgesamt 6.314,20 €. Nun wird durch den Betriebsvermögensvergleich der Gewinn für das Jahr 2016 ermittelt. Dabei wird das Vermögen von 2015 vom Vermögen aus 2016 abgezogen, also:

Betriebsvermögen(BV) 2015: 250.000 €
Betriebsvermögen 2016: 250.384,70 €
Gewinn= BV 2016 – BV 2015 = 384,70 €

Frau H. steuerpflichtiger Gewinn beträgt 384,70 €, welche als Einkünfte aus Gewerbebetrieb versteuert werden.

Beim gewerblichen Handel gibt es keine Spekulationsfrist, das heißt bei einem Verkauf ist der Gewinn/Verlust immer zu versteuern. Dies gilt ebenfalls für eventuelle Airdrops oder in Folge von Hard Forks hinzugewonnene Coins.