Weitere Anlageformen

Initial Coin Offering (ICO)

Das Initial Coin Offering gibt Anlegern die Möglichkeit, bereits vor dem Start der Kryptowährung an einer Börse in diese zu investieren. Dabei wird die Entwicklung der Kryptowährung finanziert. Der Anleger erhält die Coins zu einem günstigeren Preis, als später an der Börse.

Gemäß § 23 EStG gilt für diese Investitionsart der Anschaffungszeitpunkt gleich dem Vertragsabschluss, das heißt schon vor dem offiziellen Einstieg der Kryptowährung an der Börse.

Beispiel:
Im März 2015 investiert Frau K. 600 €, um am Ethereum-ICO teilzunehmen. Dabei erhält er 300 Ethereum. Am 08. März 2016 können Ethereum an der Börse gehandelt werden. Im April 2017 verkauft Karl alle 300 Ethereum für insgesamt 14.079,57  €.

Ergebnis:
Die Haltefrist von einem Jahr ist abgelaufen. Dadurch ist der Gewinn in Höhe von 13.479,57 € steuerfrei.

Futures-Geschäfte

Bei einem Futures-Geschäft handelt es sich um ein unbedingtes Termingeschäft. Dabei verpflichtet sich der Käufer eines Futures-Geschäfts, eine festgelegte Menge des Basiswerts zu einem bestimmten Termin in der Zukunft zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Entgegen zu Optionen, ist der Käufer und Verkäufer jeweils an ihre Entscheidungen gebunden und hat dementsprechend kein Wahl-oder Optionsrecht. Der Wert eines Futures ist dabei vom Basiswert. Gewettet wird dabei auf einen Kursanstieg-bzw. einen Kursverlust.

Bei Futures-Geschäften handelt es sich je nach Ausgestaltung des Vertrages oft um Einkünfte aus Kapitalvermögen i. S. d. § 20  Abs. 2 S. 1 Nr. 3 Buchstabe a EstG. Diese unterliegen seit 2009 der Abgeltungsteuer, welche generell 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer beträgt. Es besteht für den Steuerpflichtigen die Möglichkeit einen Freibetrag von 801 Euro (1.602 Euro bei der Zusammenveranlagung von Ehegatten) vom Gewinn abzuziehen. Es ist daher jedoch kein individueller Werbungskostenabzug möglich. Außerdem entfällt die Steuerfreiheit nach einem Jahr.

Im Gegensatz hierzu ist die Sicherheitsleistung, die bei Kauf eines Future-Kontraktes hinterlegt werden muss (Initial Margin) bei Belastung oder späterer Gutschrift eine Anschaffung oder Veräußerung im Sinne der Privaten Veräußerungsgeschäfte (§ 23 EStG).

Hard Fork

Der Hard Fork bezeichnet die Aufspaltung einer Kryptowährung in zwei unabhängige Kryptowährungen. Diese werden dem Nutzer kostenlos übergeben. Bei der steuerlichen Behandlung gibt es noch keine Stellungnahmen der Finanzbehörde und noch keine entsprechenden Urteile, sodass es drei verschiedene steuerliche Gestaltungsvarianten gibt.

Variante 1:

Einerseits kann der Verkauf von Coins in Folge eines Hard Forks einen steuerbaren und steuerpflichtigen Vorgang beschreiben. Da die Coins dem Nutzer kostenlos übergeben werden, handelt es sich nicht um eine Anschaffung und es gibt dementsprechend keinen Anschaffungszeitpunkt. Um dennoch eine Steuerfreiheit zu genießen, muss ein Anschaffungszeitpunkt gewählt werden. Der Anschaffungszeitpunkt der geforkten Coins ist dadurch mit dem Anschaffungszeitpunkt der Ursprungswährung gleichzusetzen. Auch bei in Folge eines Forks gewonnenen Coins ist auf die Haltefrist von einem Jahr zu achten. Eine Steuerpflicht tritt demnach erst dann ein, wenn die Haltefrist unterschritten und der Freigrenze von 600 € überschritten wurde. Dabei stellt ein Fork keinen Anschaffungsvorgang dar, weshalb es zu keiner neuen Frist kommt. Notwendig ist dennoch eine saubere und vollständige Aufzeichnung der getätigten Transaktionen. Die Anschaffungskosten der geforkten Coins ist in dieser Variante mit 0,00 € anzugeben, da sie dem Nutzer kostenlos überlassen werden.

Beispiel:
Herr P. hält in seinem Wallet 3 Bitcoins, welche er am 06. März 2017 kaufte. Er erhält am 01.08.2017 in Folge eines Hard Forks 3 Bitcoin Cash kostenlos hinzu. Am 21. Januar 2018 verkauft er alle Bitcoin Cash zu je 1.663,77 €.

Ergebnis:
Herr P. erzielt einen Gewinn von 4.991,31 €. Der Anschaffungszeitpunkt der Bitcoin Cash ist dem der Bitcoins gleichzusetzen, das heißt der 06. März 2017. Da die Haltefrist von einem Jahr noch nicht erreicht ist, muss Herr P. seinen Gewinn nach seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Die Freigrenze wurde ebenfalls überschritten, weshalb sie nicht mehr anzuwenden ist. Hätte Herr P. seine Bitcoin Cash erst nach dem 06.März 2018 verkauft, so hätte er den Gewinn nicht versteuern müssen.

Variante 2:

Es kann allerdings auch eine andere Variante steuerrechtlich vertreten werden. Diese besagt auch, dass die in Folge eines Forks gewonnenen Coins einen steuerpflichtigen Ertrag darstellen. Die Steuerpflicht entfällt in dieser Variante, wenn die Trennung der Kryptowährungen nach den Grundsätzen einer Spaltung erfolgt. Der Fork entspricht allerdings nicht völlig einer Spaltung, da es keinen Spaltungsplan gibt. Demnach gibt es eine Restunsicherheit, auch weil noch keine entsprechenden Urteile gefällt worden sind. Die Anschaffungskosten werden mit den alten Coins verrechnet, sodass auch die in Folge eines Forks gewonnenen Coins Anschaffungskosten vorweisen. Der Anschaffungszeitpunkt der geforkten Coins entspricht wie in der ersten Variante dem Anschaffungszeitpunkt der Ursprungswährung. Auch löst der Fork keinen Neubeginn der Spekulationsfrist aus. Bei einem Verkauf der geforkten Coins gelten die regeln des privaten Veräußerungsgeschäft, das heißt es gibt sowohl die Spekulationsfrist (ein Jahr) als auch den Freibetrag von 600 €. Bei einem Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist können bei dieser Variante die anteiligen Anschaffungskosten vom Gewinn abgezogen werden.

Beispiel:
Herr P. hält in seinem Wallet 3 Bitcoins, welche er am 06. März 2017 zu je 1.193,20 € kaufte. Er erhält am 01.08.2017 in Folge eines Hard Forks 3 Bitcoin Cash kostenlos hinzu. Am 21. Januar 2018 verkauft er alle 3 Bitcoin Cash zu je 1.663,77 €.

Ergebnis:
Herr P. hat für seine Bitcoins am 06.03.2017 Anschaffungskosten in Höhe von 3.579,60 €. Nun werden die Anschaffungskosten für Bitcoin Cash ermittelt:

3.579,60 € / 6 = 596,60 €

Die Anschaffungskosten pro Bitcoin betragen 596,60 €, das heißt Peter hat für seine Bitcoin Cash Anschaffungskosten von 1.789,80 €. Um seinen Gewinn zu ermitteln, werden die Anschaffungskosten vom Ertrag abgezogen. Der Gewinn beläuft sich auf 3.201,51 €. Der Anschaffungszeitpunkt der Bitcoin Cash ist der der Bitcoins, das heißt der 06. März 2017. Da Herr P. allerdings seine Bitcoin Cash weniger als ein Jahr behält und sein Gewinn die Freigrenze übersteigt, ist sein Gewinn steuerpflichtig.

Der Unterschiedsbetrag der beiden Varianten beläuft sich auf 1.789,80 €. Peter muss laut der zweiten Variante 1.789,80 € weniger versteuern.

Variante 3:

Es gibt allerdings noch eine dritte Variante, welche für den Steuerpflichtigen die beste Variante darstellt. Denn sowohl der Erhalt der neuen Kryptowährung als auch deren Verkauf erfüllt keinen Besteuerungstatbestand des Einkommensteuergesetztes. Dies liegt daran, dass grundsätzlich bei einem Fork keine Anschaffung vorliegt. Das würde bedeuten, dass die Coins, welche in Folge eines Hard Forks entstanden sind, derzeit nicht steuerpflichtig sind. Demnach sind beide Vorgänge nicht steuerbar. Das liegt daran, dass in unserem Fall Bitcoin Cash (noch) nicht als alternatives Zahlungsmittel angesehen werden kann. Außerdem seien die Bitcoins mit Bitcoin Cash nicht kompatibel und demnach auch nicht gleichartig. Es ist jedoch Vorsicht geboten.

Für den in unserem Beispiel gewählten Herrn P. hätte dies enorme steuerliche Vorteile. Demnach müsste Herr P. den Verkauf der Bitcoin Cash nicht versteuern. Den Gewinn von 4.991,31 € müsste Herr P. nicht der Einkommensteuer unterwerfen, obwohl die Haltefrist noch nicht abgelaufen ist und der Freibetrag überschritten wurde.

Dadurch, dass sich weder die Finanzverwaltung noch die Rechtsprechung mit dem Thema des Forks beschäftigt hat und dementsprechend noch keine gültige Besteuerung vorliegt, sollte man sich mit der zuständigen Finanzbehörde abstimmen.

Airdrops

Airdrops sind Kryptowährungen, welche automatisch in den Wallets von Nutzern entstehen. Der Nutzer muss sie weder käuflich von Dritten erwerben, noch sonst etwas dafür tun. Somit liegt steuerrechtlich kein Anschaffungszeitpunkt vor. Eine eventuelle steuerpflichtige Schenkung fällt ebenfalls weg, da die Existenz der Airdrops erst in dem Vermögen der Nutzer entsteht.  Ihrer Herstellung wird nicht durch den Nutzer erzeugt. Airdrops ähneln aus steuerlicher Sicht einem Zufallsfund bzw. einem Lottogewinn, wodurch sie nicht besteuert werden können. Der Verkauf und daraus erzielte Gewinn von Airdrops ist nicht steuerbar.

Beispiel:

Horst ist Halter von 30 Bitcoins, welche er im Jahre 2014 erworben hatte. Ohne jegliche Aktivität seinerseits entstehen am 05. Dezember 2017 30 Stellar. Diese haben zum Zeitpunkt der Entstehung einen Wert von insgesamt 2,45 €. Am 04. Januar 2018 verkauft Horst alle 30 Stellar für insgesamt    21,30 €.

Ergebnis :

Die 30 Stellar sind Airdrops, wodurch sie nicht besteuert werden. Dadurch, dass sie keinen Anschaffungs-und Herstellungsvorgang aufweisen, fallen sie auch nicht unter einen Steuertatbestand des Einkommensteuergesetzes.